Presseberichte

Artikel vom 10.08.2005 aus SÜDWEST AKTIV

>>> Metzinger-Uracher Volksblatt/Der Ermstalbote <<<

SERIE SPRACHEN: Im Gespräch mit Tânia Belderrain-Spillmann: Sie ist die Ich-AG des Monats Juli

Es gibt anscheinend nichts leichteres, als Sprachen zu lernen. Tânia Belderrain-Spillmann ist Brasilianerin, unterrichtet Italienisch, Spanisch und Portugiesisch und spricht perfekt Deutsch. Seit 23 Jahren lebt sie hier in Metzingen, kürzlich hat sie eine eigene Schule gegründet.

HANS-PETER JANS

METZINGEN

Wenn sie etwas sagt, fahren ihre Hände temperamentvoll durch die Luft. "Wir können die Hände nicht still halten wie die Deutschen", sagt Tânia Belderrain-Spillmann. Brasilianer sind so. Küsschen geben, laut quatschen, selbst im Bus spricht man in diesem Land fremde Leute an. Einfach so. Man fragt nach deren Weg oder Arbeit, bietet dem Banknachbarn ein Bonbon an, pfeift Frauen hinterher. "Sie sind sehr spontan, aber sympathisch", sagt Tânia Belderrain-Spillmann von ihren Landsleuten.

Sie selbst stammt aus der "sehr lauten Stadt" São Paulo, einer industriell geprägten Millionenstadt, und lebt seit 23 Jahren im Ermstal. Sie kam mit ihrem Mann hierher, den sie im Studium kennen gelernt hat.

Deutsch und Italienisch hat sie studiert. Deutsch hat sie gelernt, weil sie eine österreichische Patentante hatte, erzählt sie. "Ich wollte wissen, was sie mit anderen redet." Ausserdem gabs in der Nähe, wo sie wohnte, ein deutsches Viertel. Auch gibt es in Brasilien Gegenden, in denen noch deutsch gesprochen wird.

An der Volkshochschule Metzingen-Ermstal wird sie Italienisch und Portugiesisch unterrichten, das dem Brasilianischen gleicht. Nur die Aussprache hat sich verschieden entwickelt. Zur Stadt (ciudade) sagt man in Portugal "sidad", in Brasilien "sidadschi". Ob dieser Kurs zustande kommt, ist noch offen. "Für Italienisch gibt es auf jeden Fall eine grosse Nachfrage", so Tânia Belderrain-Spillmann. Den Schwerpunkt legt sie bei beiden VHS-Kursen vor allem auf Redewendungen für den Alltag.

Die Sprachlehrerin hat Ende 2003 eine eigene Sprachschule "Lingualine" (http://www.lingualinesprachen.de) als Ich-AG aufgemacht. Vom Verlag der deutschen Wirtschaft ist sie prompt als Ich-AG des Monats Juli 2005 gekürt worden. Hier bietet sie massgeschneiderte Kurse, auch Einzelkurse an. Kunden sind beispielsweise eine Journalistin der FAZ und ein Fluglotse, aber auch Schüler, die nach Chile oder Bolivien fahren. Umgekehrt gibt sie auch Deutschkurse für Brasilianer, die hier leben.

Bei so vielen Sprachen - ihr Sohn spricht dennoch kein Portugiesisch, die Tochter hat mit 15 Jahren angefangen, die Sprache der Mutter zu lernen. Bei einem Brasilienaufenthalt hat sie sich dazu entschieden. Dass Tânia Belderrain-Spillmanns Vorfahren aus dem Baskenland stammen und zunächst nach Uruguay ausgewandert sind, ist vielleicht auch der Grund dafür, dass sie Spanisch gelernt hat und auch unterrichtet.

Sprachverwirrung herrscht trotzdem nicht. Allerdings muss man zwischen den Sprachen umschalten. Denn nicht jede Redewendung ist überall gültig. Wird jemand geärgert, sagt man in Brasilien, wie könnte es in einem fussballverrückten Land anders sein, "er tritt ihm auf den Ball" (pisar na bola).

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